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Freitag, 17.02.2012, 14:46

Den Woiferl kenn ich schon recht lang. Er is einer meiner vertrautesten Freunde, kennt viele meiner Schwächen und unterstütz sie sogar noch *gruml*.
Wenns draußen stürmt und schneit und ich nicht laufen gehen mag, dann sitzt er neben mir, schaut mich aus Unschuldsaugen an und sagt „Geh, Dee, morgen is wieder schöner, da kannst auch noch laufen gehen. Bleib noch ein bisserl bei mir hocken und schau ma gemeinsam Gilmore Girls“. Na super, wie soll ich da bitteschön Kilos einschmelzen, wenn der Woiferl mich wegen jedem kleinen Schneesturm zum „Couch beliegen“ anstiftet. Er is so ein Lieber, aber eigentlich tut er mir nicht gut.
Meine Idee is ja, dass der Woiferl mich nur deswegen nicht rausgehen lassen will, weil er dann auch was tun müßte... oder zumindest hätte er vielleicht das Gefühl, auch was tun zu müssen. Und das mag er gar nicht. Obwohl ihm ein bisserl körperliche Ertüchtigung auch recht gut tun würde...er is nämlich, ehrlich gesagt, ein ziemlicher Rollmops.

Letztens is es mir passiert, dass ich mir den Woiferl das allererste Mal in unserem gemeinsamen Leben so richtig bewußt angeschaut hab...und was ich da gesehen hab, hat mich köstlich amüsiert... aber ich erzähl mal von vorne:

Seit ein paar Wochen hab ich übergewichtige, karenzierte Mutter das Lauftraining wieder aufgenommen. Dafür mußten nicht nur der innere Schweinehund sondern auch des Göttergatten Zeitplan überwunden werden.
Denn wenn ich laufen geh, dann will ich die Zeit für mich allein. Dann möcht ich keine im besten Fall krähende oder im schlimmsten Fall raunzende Zähnin im Kinderwagerl vor mir herschieben...ganz abgesehen davon, dass das Bergaufschieben hölle-anstrengend wär und soooo schwer mag ich es mir für den Anfang auch nicht machen.
So mußte also ein Plan her, wann Muttern gehen kann. Und das ohne Kinder!
Des Rätsels Lösung war ganz einfach: ich bringe Zicklein eine Stunde eher als sonst in den Kindergarten, lass die mehr oder weniger müde Zähnin beim Papa zu Hause und gehe 2x/Woche gleich in der Früh kinder- und gattenseelen alleine laufen.
Göttergatte hatte da Einwände, er käme zu spät in die Firma, habe ja auch nicht so viel kinderfrei. Mit ein paar Argumenten, einer aufgebrachten Argumentation und einer Portion Abgeklärtheit wurde dann einstimmig (das heißt mit einer Stimme und die kam von mir!)beschlossen, diesen meinen Plan mal auszuprobieren.
Ja fein, gern probier ichs aus...die nächsten Monate und Jahre...weil diese Stückchen Freiheit kriegt der Göttergatte nicht mehr von mir zurück.
Da gehts nicht nur um mein körperliches Wohlbefinden...da gehts auch um Psychohygiene und ein Stückerl erweitertes Paradies (siehe letzte Geschichte!). Wenn ich dann in zwei Jahren in Kleidergröße 38 herausgeschneuzelt vor ihm steh, wird es sich bei sich selbst bedanken, dass er dieses Zugeständnis gemacht hat. Gut, bis die zwei Jahre vorbei sind, wird er vielleicht noch hin und wieder motschgern, aber das halt ich schon aus...ich bin ein hemmungsloses Zicklein und eine zahnende schlafentzogene Zähnin gewöhnt, da kann mich eine ehemännliche Unrundheit nicht so leicht aus der Fassung bringen.

Also lauf ich ganz Früh an einem eisigkalten Donnerstag (der Woiferl hat sich wegen der Minustemperaturen nicht zu mir gewagt) so durch die Gassen Wiens, hinauf zu meinem Park, dreh dort eine Runde und lauf wieder hinunter. Während dem Laufen, da denk ich immer viel...an dies und das...Dinge die ich gehört oder gelesen habe, die ich gerne sagen möchte. Geschichten fallen mir ein, Formulierungen, die mir taugen. Kurz , mein Kopf is voll mit Wörtern, die mich während dieser meditativen Momente begleiten und unterhalten.

Wie ich dann schon auf der Zielgerade bin, ca 20m vor unserem Haus, da fällt mir ein, wie eine Bloggerin geschrieben hat, das sie ihren inneren Schweinehund immer zum Laufen mitnimmt und da muß ich grinsen......
...und plötzlich....
.... läuft er neben mir...
....der Woiferl...
....mein eigener kleiner Schweinehund!
Ich lach laut, denn die letzten 5 m bis zu meiner Haustür werde ich von einem imaginären weißen Pitbull Terrier begleitet. Dabei mag ich diese Hunderasse rein optisch gar nicht . Aber meiner, imaginärer, eigener is irgendwie süß...die nicht kopierten Ohren flattern im Wind und seine rosa Schnauze hält er stolz in die Höh, im weißen Goscherl hält er seine Leine, als würde er sich selbst Gassi führen.

Grinsend über das ganze Gesicht bleib ich bei de Haustür stehen, sperr auf und lass den Woiferl (das erste und einzige Mal, sonst werdens mich bald enliefern, die Hausmitbewohner) vor mir in den Hausflur. Im Aufzug geht das Strahlen nicht aus meinem Gesicht. Ich habs geschafft, ich hab den Schweinehund überwunden...nicht nur das. Er hilft mir jetzt auch beim Laufen, begleitet mich, damit ich nicht so alleine bin, zaubert ein Lächeln in mein Antlitz auf der steilsten Steigung.

Wenn ich nur noch wüßt, wer diese tolle Episode mit dem Schweinehund geschrieben hat. Ich befürchte, dass ich sie nicht wiederfinde. Aber wenn diejenige das liest:

Tausend Dank für dieses tolle Bild, das du in mich eingepflanzt hast. Es hat ein bisserl gebraucht, bis es in mir gereift is, aber jetzt hab ich den Woiferl endlich mal zu Gesicht bekommen. Bis jetzt war er ja nur ein Gedanke in meinem Kopf, der ständig gegen mich gearbeitet hat. Plötzlich aber taugst ihm draußen besser und er zieht seitdem mit mir seine Runden. Nicht immer hab ich ihn so plastisch vor Augen wie an diesem einen Tag, aber das Gefühl, das ich damals hatte, ist geblieben.
Ich liebe das Laufen wieder, es bereitet mir keine Überwindung mehr, auch wenn es anstrengend is. Besser noch, ich freu mich richtig, wenns anstrengend wird, weil auf den schwersten Stücken der Woiferl neben mir herhechelt, mich mit seinem süßen rosabeschnauzten Gsichterl anschaut und mich anfeuernd anbellt.

Ja, so funktioniert mein Gehirn. Irgendwas bleibt aus meinem chaotischen Alltag unbemerkt drin hängen, reift, verändert sich, entwickelt sich durch das Chaos rundherum zu einem eigenen wundervollen Bild, das mir in meinem Alltag hilft. Besonders dafür...

...lieb ich das Chaos in mir!


Bild: http://www.freedigitalphotos.net/images/view_photog.php?photogid=149


Montag, 13.02.2012, 11:55

Heute Nacht hab ich nicht viel geschlafen...4,5 Stunden insgesamt vielleicht...und die nicht am Stück. Ja, genau, Zähnin war wach und hat ihrem Namen alle Ehre gemacht.
Gezahnt hat sie, die arme Maus, und das is natürlich ein Event, bei dem auch Mama live dabei sein soll.
Also hat Zähnin gebrüllt, sich gewunden, is eingeschlafen, nur um beim Hinlegen ins Bett wieder aufzuwachen und Protest wegen unzumutbarer Behandlung einzulegen (Zahngel schmieren, Nasentropfen verabreichen, ...). Und Mama is halt herumgelaufen mit Brülli am Arm in allen möglichen und unmöglichen Positionen (Gut, kopfüber hab ich nicht probiert, aber ich war echt nah dran!)
Zusätzlich hat das arme Kind auch noch Schnupfen...und zwar den mit der fies verstopften Nase, wo man dann trinken und atmen auch nicht mehr kann. Schlechte Vorraussetzungen also für mich, ein bisserl Schlaf zu ergattern...Zähne weh, Mamamilch trinken unmöglich, Atmen nicht machbar, müde sein wie Hölle...
Der Schlaf hat sich in dieser Nacht einfach versteckt und wollt auch mit gut zureden („Mausl,atme mal mit mir........haaaaaaa.....püüüüüüüühhhhhhh......entspann dich........gaaaaanz locker lassen........“) und Leckerlies anbieten („Wenn du jetzt schläfst, darfst du morgen untertags die GANZE Zeit wach bleiben!!!“) nicht herausgekommen.
Irgendwie war ich dann echt froh, wie es hell und 6.30h war.

Da hab ich dann keine Zeit mehr zum Denken, wie müd ich bin. Da beginnt dann nämlich die Tagesroutine. Wickeln, Spielmatte mit raunzigem Kind belegen, Kakao machen. Kakao kalt werden lassen, weil Zicklein aufgestanden is und Tee, Hörspiel-Einschaltung und Strumpfhosen-Anziehhilfe benötigt. Kakao aufwärmen. Kakao kalt werden lassen, weil wohlbekannte, unbeschreibliche und nicht sehr frühstückskompartible Gerüche von der Spielmatte herüberwehen.
Während der Routinebaläufe is Zähnin motschgerig und sehr sehr müde, jammert viel und is mit keinem Späßchen abzulenken oder zu befrieden. Naja, ich hätt ja die Nacht zum Schlafen vorgeschlagen, aber Mamas haben da offensichtlich nur wenig Mitspracherecht und Zähninnen die volle Stinkig-sein-Dürfen-Erlaubnis.

Aber als ich sie wickle, zieht plötzlich ein strahlendes Lächeln auf. Nicht weil, die Stinkerei fachgerecht entsorgt wurde, nicht weil Mama liebevoll den Popsch eingeschmiert hat, auch nicht, weil Zicklein ihr Bestes gibt und frohgelaunt etwas vorsingt....Neeeeeiiiiiin- mit dem Wickeln hat das gar nix zu tun.
Zähnin hat sich unerlaubterweise umgedreht, liegt halbnackig am Bauch und hängt mit den Händen über den Rand der Wickelauflage, wo das ganze Babypoporeinigungsequipment steht Ausserdem...und jetzt wird es interessant....befindet sich dort seit 2 Tagen auch eine kleine Schüssel. Sie dient der chaotischen Mutter als kleine Ordnungshilfe, denn immer wenn ich einen Schnuller irgendwo liegen seh, dann schmeiß ich ihn da hinein. Hineinschmeißen kommt meiner chaotsichen Art sehr entgegen...SO läßt sich besser Ordnung halten als mit irgendwo genau nach Plan hineinschlichten.

Zähnin sieht also die Schnullerschüssel und da kommt es...ein strahlendes Babylächeln erster Güte.
Flugs hat sie die Fingerln drin, wühlt herum, krallt sich einen Schnulli und rein damit in den zweibezähnten Mund. Damit nicht genug, noch schnell einen für die linke und einen für die rechte Hand geschnappt und bevor Mama das Mäderl umdrehen kann, hat sie sich selbst wieder auf den Rücken bugsiert und schnullert verzückt und entrückt, was das Zeug hält (Natürlich werden im 10 Sekundentakt die Schnuller ausgetauscht, so dass sich jeder einmal im Mund befindet).
Sie ist dabei nicht ansprechbar, braucht keine Windeln um den Nackepopsch, keine Unterhaltung, keine Mama....sie hat ihr kleines persönliches Paradies betreten: !Welt bitte draußen warten!
Sie is so happy und zufrieden, dass ich sie einfach eine Weile liegen lass, so halbnackig auf der Wickelkommode und ihr zuschau, wie sie Schnullis rotiert und glücklich dabei is.

Und wie ich ihr so zuschau, da frag ich mich, wo ich meines hab...mein Stückerl Paradies im Alltag. Und ich frag mich, ob das Zicklein auch eins hat...und der Göttergatte. Und ich komm zu dem Schluss: So ein Glück, wir haben alle eins!

Der Zicke ihr Paradies is mit einem Hörspiel oder ihrer Lieblingsmusik allein in ihrem Zimmer ins Zeichnen versunken zu sein.

Göttergatte sein Paradies is vor dem hochauflösenden megariesiegen Flatsrcreen zu sitzen...am Abend wenn seine drei Mädls alle im Bett sind und er Anschaun, Zappen und auf der Couch einschlafen darf, ohne dass das jemand kommentiert.

Mein ursprüngliches persönliches Paradies is mittlerweile wegen Nicht-Erreichbarkeit vorrübergehend geschlossen....
Schlafen! Mein Paradies ist LAAAAANGEEEEES schlafen. Schlaf is da, wo ich nix denk, mich keine chaotischen Vorfälle überfallen, weder mein Gehirn, noch meine Emotionen, noch mein Körpereinsatz gebraucht werden. Dort, wo ich mich selbst ganz und gar Abschalten und Entspannen kann. DAS lieb ich so, DAS hab ich nirgendwo anders, DAS gibts für mich nur, wenn ich schlafe.
Aber die nächsten paar Monate werd ich wohl noch ein bisserl ohne dieses Paradies auskommen müssen.

Und selber schuld bin ich auch noch daran. Ich habs wissentlich und freiwillig eingetauscht...gegen das bisserl andere Paradies:
Das Lächeln einer satt-gestillten Zähnin
Die seltenen exklusiven Momente mit meiner Großen
Die kurze gemeinsame Atempause mit meinem Mann, wenn beide Kinder endlich im Bett sind
Die vielen chaotischen und lustigen Geschichten, die mir auffallen, seit meine Kleine auf der Welt is
Und nicht zuletzt die Zeit, die ich mir für das Schreiben dieser Geschichten nehme.


Ich vermiss mein altes Paradies, aber das neue und sein Chaos haben auch einen Reiz. Ich kann hier guten Gewissens sagen, dass ich meine Entscheidung, mein Paradies einzutauschen, nicht bereut habe:

Ich liebe dieses chaotische Paradies



Bild: http://www.freedigitalphotos.net/images/view_photog.php?photogid=3021


Donnerstag, 09.02.2012, 21:07

EIN BRIEF AUS LIEBE...


Liebe Marie!

Jetzt is bald Valentinstag. Der Tag, an dem ich an alle denke, die ich lieb hab. Da denk ich natürlich auch sehr an Dich. So wie an Weihnachten und zu Deinem Geburtstag.
Leider bist Du so weit weg, dass wir uns nicht mehr sehen...und reden tun wir auch selten miteinander...eher meine Schuld, muß ich gestehen.

Auf jeden Fall hab ich beschlossen, Dich besuchen zu kommen. Deine große Schwester möchte viel öfter zu Dir, aber der Weg is mir ehrlich gesagt oft zu weit für die paar Minuten, die wir dann miteinander haben.
Aber jetzt spür ichs wieder einmal.... Ich hab große Sehnsucht nach dir... und ich finde, erfüllbare Sehnsüchte sollte man sich erfüllen.

Ich werde auch Blumen mitbringen...Kommerz hin oder her...is mir wurscht! Meine Blumen kommen von Herzen. Eine einzige werd ich aussuchen, die zu Dir und zu mir paßt...und eine wird Deine große Schwester wählen und eine Deine kleine Schwester, die Du noch gar nie gesehen hast. Und wenn Dein Papa mag, dann wird er auch eine beisteuern. Aber Du kennst ihn ja, er is nicht der große Blumenverschenker...eher ein leiser „An-Dich-Denker“ :o)

Der Strauss wird wohl recht eigenwillig sein, so wie Deine Familie halt is. Aber ich hoffe, dass Du Dich darüber freuen wirst... und dass Du nichts gegen Blumen am Valentinstag hast.

Weißt Du, der Valentinstag ist mir lieber...ich mag nicht zu Allerseelen auf den Friedhof, wenn sich dort alles schiebt und drängt. Da hab ich keine Ruhe, kann deinen Schwestern nicht so gut erzählen von Dir. Und vor Deinem Platz stehen dann noch so viele andere Leute, die auch ihre Kinder besuchen, die gemeinsam mit Dir begraben sind.

Lieber am Valentinstag, an einem fröhlichen Tag im Februar...mit schönen Blumen und ganz viel Liebe in meinem Herzen.

Ich vermiss dich unendlich...
...und das wird wohl auch die nächsten Jahre so sein...
...an den Valentinstagen...
...zu Weihnachten...
...und an deinem Geburtstag, der auch dein Todestag ist.

Du bist für immer in meinem Herzen, wirst nie vergessen sein!
Ich liebe Dich

Mama


Bild: http://www.freedigitalphotos.net/images/view_photog.php?photogid=1556