Den Woiferl kenn ich schon recht lang. Er is einer meiner vertrautesten Freunde, kennt viele meiner Schwächen und unterstütz sie sogar noch *gruml*.
Wenns draußen stürmt und schneit und ich nicht laufen gehen mag, dann sitzt er neben mir, schaut mich aus Unschuldsaugen an und sagt „Geh, Dee, morgen is wieder schöner, da kannst auch noch laufen gehen. Bleib noch ein bisserl bei mir hocken und schau ma gemeinsam Gilmore Girls“. Na super, wie soll ich da bitteschön Kilos einschmelzen, wenn der Woiferl mich wegen jedem kleinen Schneesturm zum „Couch beliegen“ anstiftet. Er is so ein Lieber, aber eigentlich tut er mir nicht gut.
Meine Idee is ja, dass der Woiferl mich nur deswegen nicht rausgehen lassen will, weil er dann auch was tun müßte... oder zumindest hätte er vielleicht das Gefühl, auch was tun zu müssen. Und das mag er gar nicht. Obwohl ihm ein bisserl körperliche Ertüchtigung auch recht gut tun würde...er is nämlich, ehrlich gesagt, ein ziemlicher Rollmops.
Letztens is es mir passiert, dass ich mir den Woiferl das allererste Mal in unserem gemeinsamen Leben so richtig bewußt angeschaut hab...und was ich da gesehen hab, hat mich köstlich amüsiert... aber ich erzähl mal von vorne:
Seit ein paar Wochen hab ich übergewichtige, karenzierte Mutter das Lauftraining wieder aufgenommen. Dafür mußten nicht nur der innere Schweinehund sondern auch des Göttergatten Zeitplan überwunden werden.
Denn wenn ich laufen geh, dann will ich die Zeit für mich allein. Dann möcht ich keine im besten Fall krähende oder im schlimmsten Fall raunzende Zähnin im Kinderwagerl vor mir herschieben...ganz abgesehen davon, dass das Bergaufschieben hölle-anstrengend wär und soooo schwer mag ich es mir für den Anfang auch nicht machen.
So mußte also ein Plan her, wann Muttern gehen kann. Und das ohne Kinder!
Des Rätsels Lösung war ganz einfach: ich bringe Zicklein eine Stunde eher als sonst in den Kindergarten, lass die mehr oder weniger müde Zähnin beim Papa zu Hause und gehe 2x/Woche gleich in der Früh kinder- und gattenseelen alleine laufen.
Göttergatte hatte da Einwände, er käme zu spät in die Firma, habe ja auch nicht so viel kinderfrei. Mit ein paar Argumenten, einer aufgebrachten Argumentation und einer Portion Abgeklärtheit wurde dann einstimmig (das heißt mit einer Stimme und die kam von mir!)beschlossen, diesen meinen Plan mal auszuprobieren.
Ja fein, gern probier ichs aus...die nächsten Monate und Jahre...weil diese Stückchen Freiheit kriegt der Göttergatte nicht mehr von mir zurück.
Da gehts nicht nur um mein körperliches Wohlbefinden...da gehts auch um Psychohygiene und ein Stückerl erweitertes Paradies (siehe letzte Geschichte!). Wenn ich dann in zwei Jahren in Kleidergröße 38 herausgeschneuzelt vor ihm steh, wird es sich bei sich selbst bedanken, dass er dieses Zugeständnis gemacht hat. Gut, bis die zwei Jahre vorbei sind, wird er vielleicht noch hin und wieder motschgern, aber das halt ich schon aus...ich bin ein hemmungsloses Zicklein und eine zahnende schlafentzogene Zähnin gewöhnt, da kann mich eine ehemännliche Unrundheit nicht so leicht aus der Fassung bringen.
Also lauf ich ganz Früh an einem eisigkalten Donnerstag (der Woiferl hat sich wegen der Minustemperaturen nicht zu mir gewagt) so durch die Gassen Wiens, hinauf zu meinem Park, dreh dort eine Runde und lauf wieder hinunter. Während dem Laufen, da denk ich immer viel...an dies und das...Dinge die ich gehört oder gelesen habe, die ich gerne sagen möchte. Geschichten fallen mir ein, Formulierungen, die mir taugen. Kurz , mein Kopf is voll mit Wörtern, die mich während dieser meditativen Momente begleiten und unterhalten.
Wie ich dann schon auf der Zielgerade bin, ca 20m vor unserem Haus, da fällt mir ein, wie eine Bloggerin geschrieben hat, das sie ihren inneren Schweinehund immer zum Laufen mitnimmt und da muß ich grinsen......
...und plötzlich....
.... läuft er neben mir...
....der Woiferl...
....mein eigener kleiner Schweinehund!
Ich lach laut, denn die letzten 5 m bis zu meiner Haustür werde ich von einem imaginären weißen Pitbull Terrier begleitet. Dabei mag ich diese Hunderasse rein optisch gar nicht . Aber meiner, imaginärer, eigener is irgendwie süß...die nicht kopierten Ohren flattern im Wind und seine rosa Schnauze hält er stolz in die Höh, im weißen Goscherl hält er seine Leine, als würde er sich selbst Gassi führen.
Grinsend über das ganze Gesicht bleib ich bei de Haustür stehen, sperr auf und lass den Woiferl (das erste und einzige Mal, sonst werdens mich bald enliefern, die Hausmitbewohner) vor mir in den Hausflur. Im Aufzug geht das Strahlen nicht aus meinem Gesicht. Ich habs geschafft, ich hab den Schweinehund überwunden...nicht nur das. Er hilft mir jetzt auch beim Laufen, begleitet mich, damit ich nicht so alleine bin, zaubert ein Lächeln in mein Antlitz auf der steilsten Steigung.
Wenn ich nur noch wüßt, wer diese tolle Episode mit dem Schweinehund geschrieben hat. Ich befürchte, dass ich sie nicht wiederfinde. Aber wenn diejenige das liest:
Tausend Dank für dieses tolle Bild, das du in mich eingepflanzt hast. Es hat ein bisserl gebraucht, bis es in mir gereift is, aber jetzt hab ich den Woiferl endlich mal zu Gesicht bekommen. Bis jetzt war er ja nur ein Gedanke in meinem Kopf, der ständig gegen mich gearbeitet hat. Plötzlich aber taugst ihm draußen besser und er zieht seitdem mit mir seine Runden. Nicht immer hab ich ihn so plastisch vor Augen wie an diesem einen Tag, aber das Gefühl, das ich damals hatte, ist geblieben.
Ich liebe das Laufen wieder, es bereitet mir keine Überwindung mehr, auch wenn es anstrengend is. Besser noch, ich freu mich richtig, wenns anstrengend wird, weil auf den schwersten Stücken der Woiferl neben mir herhechelt, mich mit seinem süßen rosabeschnauzten Gsichterl anschaut und mich anfeuernd anbellt.
Ja, so funktioniert mein Gehirn. Irgendwas bleibt aus meinem chaotischen Alltag unbemerkt drin hängen, reift, verändert sich, entwickelt sich durch das Chaos rundherum zu einem eigenen wundervollen Bild, das mir in meinem Alltag hilft. Besonders dafür...
...lieb ich das Chaos in mir!
Bild:
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